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Mount Kenya II

Die Tage davor -- Vorbereitungen

Wir wählten eine selten begangene Route (Burguret-Route, nördlich der Naro-Moru-Route, von Westen kommend, siehe Karte unten auf dieser Seite) als Aufstieg, vor der schon der Reiseführer warnt (siehe Bild) und eine recht verbreitete als Abstieg (Chogoria-Route, nach Osten).
Der Eintrag des Reiseführers zur Burguret-Route (aus: [1])

Ich war wohl der, der sich am wenigsten mit dem beschäftigte, was vor uns lag. Drei Tage vor Beginn z.B. wusste ich noch nicht, welche Auf- oder Abstiegsroute wir gingen. Ich war auch etwas skeptisch, was manche der Pläne betraf: so z.B. die Planung, jeden Tag eineinhalb Stunden für die Chapati-Zubereitung zu verwenden (und das erforderte gleich zwei Leute, die diese eineinhalb Stunden auch arbeiteten!) oder -- nachdem ich erfahren hatte, welche Route wir gehen -- ob wir den Weg überhaupt finden würden (und nach Tag 1 fühlte ich mich bei Letzterem -- letzten Endes zum Glück zu Unrecht -- sogar noch bestätigt).

Trotz der späten Vorbereitung war ich am Ende doch gut ausgerüstet und besorgte noch viele Dinge vor der Abfahrt in Nairobi, wie etwa neue, wasserdichte Wanderschuhe, eine kleinere Taschenlampe (meine Mag-Lite wiegt mit Batterien über 1kg!), einige Fleece-Pullover und neue Socken auf dem Second-Hand-Markt und andere Kleinteile.

Tag 0 -- der Tag davor (Dienstag, 7.3.)

Am Dienstag kaufte ich die letzten benötigten Sachen für die Tour ein.
Am Abend trafen wir uns bei Ulrike (Linos Mutter, die an der deutschen Schule als Lehrerin arbeitet) mit einigen Freunden zum Abendessen; eine gelungene Vorveranstaltung der Tour.

Zurück im Wohnheim packte ich meine Sachen in den Rucksack; abgesehen von Kleidung und persönlichen Zubehörgegenständen (Löffel, Schüssel, Sonnenbrille, Taschenlampe, Taschenmesser,...) musste nämlich jeder noch 6,7 kg Essen und 2,9 kg "Gruppenausrüstung" (Zelt, Medikamente, Fernglas, Kocher und Kartuschen,...) einpacken, was im Wesentlichen an diesem Abend schon aufgeteilt wurde.

Tag 1

Am Mittwoch trafen wir vier uns kurz nach sieben, um die letzten Dinge aufzuteilen und den Anfang der Tour zu besprechen. Es gab nämlich für den ersten Teil (von der Ringstraße, die den Mount Kenya großzügig einschließt bis kurz vor die Parkgrenze) drei mögliche Routen: eine südliche, relativ lange, die den Vorteil hatte, am Parkgate vorbeizuführen, wo wir einchecken würden; eine mittlere, die am Fluss entlang und an Höhlen der Mau-Mau-Widerstandskämpfer vorbei führt und wohl landschaftlich die schönste ist oder eine nördliche, die den Vorteil hätte, dass man an der Forest Station, an der man campen kann und wo sich auch ein kleines Dorf befindet, die erste Nacht verbringen könnte.
Die letzten beiden Routen bargen das Problem des Eincheckens in den Mount Kenya National Park: dies konnte man nur persönlich an dem Tag des Eintretens an einem der Gates erledigen und das nächste Gate (Naro-Moru-Gate) war einige Kilometer südlich der Strecke. Wir würden also ein oder zwei Leute ohne Gepäck losschicken, um dies zu erledigen. Nach Möglichkeit wäre in einem Dorf ein Fahrrad auszuleihen oder sich in einem Fahrzeug mitnehmen zu lassen...
Wir einigten uns auf die mittlere Route, dem Fluss entlang.

Wir brachen in Nairobi um etwa 9:30 mit dem Matatu auf und ließen uns etwas nördlich von Naro Moru an der "Mountain Rock Lodge" absetzen, wo wir in dem Restaurant zu Mittag aßen.
Im Restaurant der Mountain Rock Lodge; von links: Robert, Lino und Malte

Die eigentliche Wanderung begann um kurz nach zwei direkt hinter der Mountain Rock Lodge am Fluss entlang. Leider gab es so viele Wege und Pfade, dass es nur schwer möglich war, herauszufinden, welcher uns zum Ziel führen würde. Da wir aber wussten, dass wir letztlich dem Fluss folgen mussten, gingen wir direkt an ihm entlang. Dies war nicht immer einfach, da wir oft den Fluss überqueren mussten, um auf einen besser begehbaren Weg zu gelangen, denn wir folgten bald keinen Wanderwegen mehr, sondern eher Tieftrampelpfaden (oft von Elefanten, da diese einigermaßen groß sind). Die Machete erwies sich an manchen Stellen als recht nützlich.
Schon kurz nach Beginn die erste Kletterpartien: hier ging es zwei bis drei Meter recht steil hoch, was mit weit über 20kg Gepäck durchaus lösbar, aber nicht mehr ganz so einfach ist...


Elefantenspuren auf dem Weg (mein Schuh als Größenvergleich)

Eine der vielen Flussüberquerungen...

Der Weg, hier noch sehr gut zu sehen (und gut zu gehen...)

Nicht lange nach einer Pause kurz vor fünf, in der wir verschiedene Richtungen für den weiteren Weg auskundschafteten, gelangten wir auf eine Straße, was das Vorankommen deutlich beschleunigte. Trotzdem trafen wir nicht wie erhofft auf die innere Ringstraße und schlugen bei fortgeschrittener Dämmerung um sieben auf einer großen Lichtung unser Lager auf.
Das Lager für diese Nacht

An diesem Abend gab es kein normales Abendessen, da wir zu wenig Wasser zum Kochen hatten. Wir hatten uns dagegen entschieden, das Flusswasser zu verwenden, da dies keinen sauberen Eindruck machte und wir davon ausgingen, nur wenig von der inneren Ringstraße entfernt zu sein, wo es am nächsten Tag sicher Wasser geben würde.
Obwohl wir nichts kochten, machten wir tortzdem eine Feuer, um uns zu wärmen und unsere Hemden zu trocknen (lange Belichtung, daher verschwommen; von links: ich, Lino, Malte)

Tagsüber war das Wetter relativ gut; nur einnmal kurz nach der Pause regnete es für einige Minuten. Auch nachts regnete es; leider nicht genug, um mit unserer Regenauffangkonstruktion genug Wasser für das Frühstück zu sammeln...
Die Regenauffangkonstruktion: ein geschickt(?) aufgespannter Bundeswehr-Poncho mit einem Topf, um das anfallende Wasser zu sammeln (aufgenommen am nächsten Morgen).

Tag 2

Kurz nach sechs standen wir auf und packten unsere Sachen zusammen. Auch für das vorgesehene Frühtück (Müsli) gab es zu wenig Wasser, so dass wir nur etwas trockenes Müsli zu uns nahmen, bevor wir um halb acht aufbrachen.

Der Weg führte zunächst über einen großen Elefanten-Ab- und Aufstieg (wo es jedoch auch menschliche Spuren gab) über einen Fluss; bald darauf jedoch änderte sich das Landachftsbild komplett und wir gingen durch einen offenbar künstlich angelegten Wald, in dem wir auch auf einige Leute trafen. Da nicht klar war, ob wir die innere Ringstraße erkennen würden, folgten wir deren Anweisungen Richtung Forest Station (die eigentlich fast drei Kilometer zu weit nördlich lag) und kamen kurz vor zehn dort an.
Auch ein häufiges Bild: Tierskelette (manchmal noch mit mehr Fleisch und entsprechend Geruch). Hier direkt beim Fluss, den wir morgens überquerten.

Der Wald, durch den wir bald gingen im Vordergrund; im Hintergrund ist das Felsmassiv des Mount Kenya zu sehen

Im Dorf fragten wir nach Wasser und versuchten eine Mitfahrgelegenheit (oder ein Fahrrad zum Ausleihen) zum Park-Gate zu erhalten. Während Ersteres Erfolg hatte (wir bekamen Regenwasser), war Letzteres vergeblich.
Nach dem Frühstück, das wir nun mit dem Wasser nachholen konnten, brachen Robert und Lino ohne Gepäck zu Fuß mit den Eintrittskarten Richtung Gate auf, um dort einzuchecken. Nach der Karte war dies etwa 9 km südlich. Nach ihrer Rückkehr, die wir auf vier Uhr schätzten, könnten wir also noch zwei Stunden gehen...

Malte und ich blieben am Dorf zurück, trockneten die Zelte und machten Chapati (Fladenbrote, die nur aus Wasser und Mehl bestehen) für das Mittagessen am nächsten Tag (der Essensplan sah vor, dass es mittags immer Chapati geben würde, die am Abend zuvor zuzubereiten seien).

Den ganzen Tag über war das Wetter bei uns (also Malte und mir) war gut, man konnte aber ein regelrechtes Naturschauspiel erleben, als zwei Mal ein Gewitter nur ein oder zwei Kilometer entfernt vorbeizog und uns knapp verschonte. Robert und Lino hatten nicht so viel Glück: sie kamen auf dem Rückweg in einen heftigen Regenschauer.
Ein sehr nahe vorbeiziehendes Gewitter

Die 9km zum Parkgate waren wohl doch eher Luftlinie; der eigentliche Weg umfasste etwa 15-18km, so dass Robert und Lino erst kurz vor sieben zurückkehrten.

Der Empfehlung der Dorfbewohner folgend, die uns dort, wo wir die Zelte zum Trocknen aufgebaut hatten, vor Elefanten warnten, zogen wir zum Campen noch 200m weiter an die Forest Station, die auf etwa 2100m liegt.
Das kleine Zelt bauten wir zum Schutz vor Regen unter dem Dach auf.

Nach dem Abendessen (diesmal planmäßig Spaghetti mit Käsesoße) gings kurz nach neun ins Bett.
Nachts war es schon deutlich kälter als in der Nacht zuvor; Lino hörte einige Elefanten, die offenbar morgens direkt an unserem Zelt verbeizogen (man konnte nach dem Aufstehen noch die Abdrücke im Gras sehen).

Tag 3

Wir standen kurz vor sechs auf und brachen nach einem planmäßigen Frühstück (Wasser für das Müslie hatten wir ja inzwischen) um halb acht auf. Der Einstieg der Route war einfach zu finden, danach folgten wir wieder dem Kompass, dem Fluss und der Regel "je größer der Weg, desto vielversprechender". Wir orientierten uns auch an Spuren der Vorgänger, die mit einer Machete oft Bambus abgeschlagen hatten; ein klares Zeichen dafür, dass auf diesem Weg vor uns schon jemand war.
Das schwarze Loch in der Mitte des Bildes ist der Weg durch den (hier recht dichten) Bambuswald


Die Machete darf hier nicht fehlen

Neben Bambus gab es auch Abschnitte mit gewöhnlicherem Wald (bitte die Größenverhältnisse beachten: links unten das Weiße im Bild ist Malte)

Ein Beispiel für etwas höheren und lichteren Bambuswald. Dieser ist oft mit großen (vermutlich Elefanten-)Wegen durchzogen

Nach den Erfahrungen vom ersten Tag (als wir recht schnell von ordentlichen Wanderwegen abkamen) lief es an diesem Tag überraschend gut. Nur als wir auf einen Fluss trafen, den es zu überqueren galt, verloren wir den vorgesehenen Weg und gingen (vermutlich auf der falschen Flussseite) ein Flusstal entlang, wo der Untergrund tückisch nass war: man musste sich von Grasbüschel zu Grasbüschel bewegen und manchmal gab auch dieses nach: ich stand drei Mal mit meinem linken Fuß bis über die Knöchel im Schlamm...

Die Landschaft an diesem Tag war recht abwechslungsreich: Zu Beginn gingen wir noch durch Wald, danach begann teils sehr dichter Bambuswald, um gleich von einer Mischung von Bambus- und gewöhnlichen Wald abgelöst zu werden. Am Tal des Flusses wuchsen wieder kleinere (ca. 20 cm hohe) Büsche (und Dornengewächs), auf denen wir auch unser Zelt errichteten.
Unser Zeltplatz für die kommende Nacht...

Unser Camp schlugen wir kurz vor fünf in der Nähe des Flusses bei etwa 2900m auf.
Auch an diesem Abend machten wir ein Feuer, auf dem wir das Abendessen und die Chapati für den nächsten Tag zubereiteten.
Am Feuer

Tag 4

Nach dem Frühstück brachen wir um kurz vor acht auf und bestiegen den etwa 100m hohen Kamm, der zwischen den Flusstälern unseres und des angrenzenden Flusses verlief. Auf diesem Kamm wuchs Wald und da wir wieder keinen richtigen Wanderweg fanden, mussten wir uns manchmal mit der Machete durchschlagen. Diesem Kamm folgten wir, bis wir auf einen weiteren Fluss trafen. Die Vegetation hatte sich auch geändert: statt Wald und Dornengestrüpp gab es nun die hier typischen großen Grasbüschel, hohe Gewächse wurden seltener.
Die veränderte "Grasbüschel"-Landschaft

Bald ging es steil bergauf, man bekam einen immer besseren Blick auf das, was hinter einem lag.

Wir folgten dem steilsten Weg bergauf, der nie aufzuhören schien: immer nach dem nächsten "höchsten Punkt", den man zu erahnen meinte, ging es noch weiter hinauf. Nachmittags passierten wir dann "Highlands Castle", einen klippenartig abfallenden Kamm, wo wir auch eine kurze Pause machten. Das war für mich die erhoffte Bestätigung, dass wir richtig sind: bisher hätte es durchaus sein können, dass wir dem falschen Flusstal (oder Kamm) folgen und nur die Karte etwas uminterpretieren (die ohnehin nicht so genau war: viele kleinere Flüsse fehlten oder hörten schon zu früh auf).
Blick ins Nachbartal (vermutlich Burguret)

Pause bei Highlands Castle: die "Grasbüschel" sind ein idealer Couchersatz

Die Burguret-Route hört auf der Karte an dieser Stelle auf. Ab nun werden wir also selbst den Weg suchen müssen; viel ändern wird sich aber nicht...

Kurz nach "Highlands Castle" bauten wir um drei Uhr auf etwa 3900m unser Camp auf. Von hier hatte man einen wunderbaren Blick auf Highlands Castle und konnte bis an die Grenzen des Mount Kenya -- an die anliegenden Dörfer -- sehen.
Highland Castle, rückblickend vom Camp aus gesehen

Unser Zeltplatz, diesmal das erste Mal mit nur einem Zelt

Das Wetter war auch an diesem Tag gut: manchmal etwas kühl und windig, aber von Regen blieben wir verschont. Nachts sank die Temperatur erstmals auf knapp unter den Gefrierpunkt; ab dieser Nacht schliefen wir daher auch immer zu viert in dem Dreier-Zelt von Lino; das war nicht nur wärmer, auch das Frühstück gestaltete sich deutlich angenehmer, da man das Zelt nicht verlassen musste, sondern den Tee (oder Kaffee) und das Müsli im Zelt essen konnte.
Blick aus dem Zelt am nächsten Morgen

Tag 5

Kurz nach sechs standen wir auf und genossen unser Frühstück im Zelt. Kurz vor neun erst ging es dann los, immer dem Kamm neben dem Burguret folgend. Dieser war leicht zu begehen: nachdem zunächst noch die Landschaft von "Grasbüscheln" dominiert wurde, änderte sie sich bald zu einer sehr wüstensrtigen mit nur wenig Pflanzen, aber vielen Steinen. Mittags zog Nebel auf, der die Sicht einschränkte; zum Glück war die Orientierung sehr leicht (man musste einfach dem Kamm folgen, ohne nach rechts oder links ins Tal hinabzusteigen), so dass wir trotz der eingeschränkten Sicht unseren Weg fortsetzen konnte
Das Felsmassiv des Mount Kenya; im Vordergrund der linke Teil des Kamms, den es zu begehen galt

Unser Navigator (Robert)

Trotz der Anstrenungen hatten wir ab und zu noch Energie für gestellte Fotos: Selbstauslöser und zurückrennen

Der Weg auf dem Kamm im Nebel

Wir trafen auf den Rundweg (markiert durch einen See), der um das eigentliche Massiv des Mount Kenya herumführt. Da der See, auf den wir trafen nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach (er war etwas zu klein, verglichen mit der Karte), stieg Robert auf den nächsten Kamm und versuchte, die Hügel und Seen der Umgebung mit der Karte in Einklang zu bringen.
Robert, in der Mitte als Silhouette zu erkennen (zumindest auf dem ersten Bild...)

Letztlich war klar, wie es weitergehen musste: nördlich. Daher brachen wir -- nachdem wir unsere Wasservorräte an dem Tümpel aufgefüllt hatten -- um etwa zwei Uhr nachmittags in diese Richtung auf. Wir stießen auch bald auf den Rundweg und den See, an dem wir eigentlich herauskommen wollten: Two Tarn. Der Weg war nun recht eindeutig, da er viel begangen ist; im Vergleich zu den Tagen zuvor bewegten wir uns ab jetzt auf einer Autobahn. Wir fingen mit der Umrundung an und gingen dabei an vielen Tälern mit wunderschön gelegenen Flüssen und Seen vorbei. Leider hatten wir immer noch Nebel, so dass wir auf diesem Teil der Strecke, der wohl landschaftlich der schönste war, nicht so viel von der Aussicht genießen konnten.
Der Tümpel, den wir zunächst für Two Tarn hielten und Two Tarn...

Der Weg durch den Nebel

Um kurz nach halb fünf beschlossen wir, unser Lager am Hausberg-See (ca. 4300m) aufzuschlagen. Urprünglich wollten wir noch ein Tal weiter zum Karmi Hut Camp, der steile 200m-Aufstieg und die fortgeschrittene Zeit schreckten uns jedoch davon ab, dies noch an diesem Tag zu tun.
Das Camp am Hausberg Tarn. Direkt dahinter das gewaltige Felsmassiv der höchsten Gipfel Mount Kenyas

Kochfeuer am Camp; im Hintergrund der Hang, den wir am nächsten Morgen gehen mussten und (der schon jetzt fast volle) Mond

Die Auf- und Absteige der Täler waren oft sehr steil; gerade auf den Wegen nach unten rutschte man oft, da der Untergrund im Wesentlichen aus kleinen (3 bis 5 cm großen) Steinen bestand, die sich sofort in Bewegung setzten, wenn man darauf ging...

Abends beim Lagerfeuer fing auch ein leichter "Eisregen" an (es regnete kleine Eiskristalle bzw. sehr kleine Schneeflocken), der fast die ganze Nacht anhielt. Zum Glück war der Niederschlag nicht sehr stark, so dass wir wie gewohnt mit der Essenszubereitung fortfahren konnten. Nachts sanken die Temperaturen auf etwa -6°, was zu viert im Dreierzelt jedoch keinerlei Probleme bereitete; unsere Ausrüstung hatte offenbar noch Potential für deutlich tiefere Nachttemperaturen...

Tag 6

5:30 klingelte der Wecker. Nach dem Frühstück im Zelt brachen wir kurz nach acht auf. Über Nacht hatte es immerhin so viel geschneit, dass der Aufstieg zum nächsten Tal mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt war.

Nach dem 200m-Aufsteig hatte man einen sehr schönen Blick zurück auf unser Camp und nach vorn auf das Mackinder's Valley, in dem auch die Shipton's Hut (eine Hütte, die auf einer sehr beliebte Strecke liegt) ist.
Der Aufstieg

Blick zurück auf das Camp, das zwischen den beiden Seen aufgebaut war

Das nächste Tal, nach dessen Überquerung wir weiter auf die dahinter sichtbare Gebirgskette mussten

Nachdem wir dieses Tal überquert hatten, ging es steil bergauf auf einen Bergkamm, den wir folgten. Wir verpassten eine Abzweigung, die weiter um das Massiv herumführte und -- wären wir weitergegangen -- hätten wir den Aufstieg zu Point Lenana schon fast an deisem Tag gemacht. Wir beschlossen jedoch, über das steinige Gelände den vorgesehenen Weg zu treffen und weiter Richtung Austrian Hut zu gehen.

Am Tal, das direkt vor der Hütte liegt, ist vor etwa zwei Jahren ein kleines Flugzeug abgestürzt, das im Nebel gegen den Berg geprallt war. Alle 12 Passagiere und die zwei Piloten kamen damals ums Leben. Die Flugzeugteile liegen nun alle weit verteilt an dem Hang dieses Tals...
Reste des abgestürzten Flugzeugs

Um kurz vor drei kamen wir an unserem Tagesziel an: die Austrian Hut auf 4800m (die wurde Ende der Siebziger von der österreichischen Botschaft als Dank für eine Rettungsaktion eines österreichischen Bergsteigers, der beim Aufstieg abstürzte und vor seiner Rettung eine Woche lang in den Seilen hing, gestiftet).
Da es noch nicht spät war, schulg ich vor, den verrückten Plan, den wir in den letzten Tagen entwickelt hatten -- nämlich oben auf Point Lenana zu übernachten -- in die Tat umzusetzen. Leider (im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung) fand sich für diesen Vorschlag keine Mehrheit und so bauten wir das Zelt etwas abseits der Hütte auf.
Zwei Seen, nicht weit vom Camp; der hintere wird durch den größten Gletscher Mount Kenyas gespeist (der in den letzten Jahren übrigens auch stark zusammengeschmolzen ist)

Blick auf Point Lenana vom Camp

Eine Stunde nach der Ankunft wurden Malte und Lino -- vermutlich von der Höhe -- ziemlich müde und ruhten sich im Zelt aus. Das bedeutete, dass Robert und ich uns um das Essen kümmern mussten (zuvor waren wir froh, dass wenigstens einer der beiden dabei war, denn sie hatten deutlich mehr Kocherfahrung als wir beide). Wir bereiteten das Chapati-Mehl zu; diesmal zum ersten Mal mit Hefe. Ich wusste nur theoretisch, wie man einen Hefeteig macht, Robert hatte weder Erfahrung noch Wissen auf deisem Gebiet. Trotzdem funktionierte es überraschend gut; um den Teig gehen zu lassen packten wir ihn einfach in das Fußende der Schlafsäche von Lino und Malte.

Malte und Lino erhohlten sich zu Glück sehr schnell und warem zum Abendessen wieder auf den Beinen. Da niemand Lust hatte, nun auch noch Chapati zu machen, wurde die kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben (man könnte sie ja nachmittags zubereiten und frisch essen).

Abends bemerkten wir beim Schlafengehen Gasgeruch vom Kocher: dieser war (warum, ist nicht ganz geklärt) offenbar undicht geworden. Ab jetzt konnten wir also nur noch mit Feuer kochen, was -- soweit ich weiß -- im Nationalpark eugentlich nicht erlaubt ist.

Nachts sanken die Temperaturen auf etwa -7°C, es schneite und war teils recht stürmisch.

Tag 7

Wir standen um 4:30 auf und gingen kurz nach fünf los, um zum Sonnenaufgang auf dem Point Lenana zu sein (wofür man von der Austrian Hut wohl nur eine knappe Stunde brauchen soll). Durch den Schneefall war der komplette Aufstieg von einer dünnen (max. 2cm) dicken Schneeschickt überzogen. Da fast Vollmond war, der auch noch auf der richtigen Seite stand, hatten wir sonst aber gute Ausgangsbedingungen für einen Aufstieg bei Dunkelheit.
Leider verpassten wir an einer (schlecht markierten) Stelle eine Abzweigung, die steil bergauf führt und folgten einem falschen Weg (der jedoch noch Wegmarkierungen trug). Dieser wurde uns bald zu unsicher und so kehrten wir um, um einen Weg zu gehen, der im Reiseführer beschrieben war: dieser sollte direkt am Gletscher vorbeiführen und "von hinten" auf Point Lenana stoßen. Wir wir später erfuhren, wurde dieser Weg schon lange abgeschafft, da der Gletscher inzwischen kleiner geworden und der Weg extrem gefährlich ist. Das stellten wir auch selbst fest: der "Weg" (den wir uns immer selbst suchen mussten) führte über sehr steile Hänge, die mit kleinen, abrutschenden Steinen voll waren. Bei einem Tritt kommen diese meist nach etwa 10 cm Abrutschen zum Stehen, manchmal rutscht man aber auch etwas mehr, was bei der Aussicht, nach einem Meter in ein noch steileres Gebiet zu kommen, das erst nach über 50m tiefer beim Gletscher aufhört, doch etwas respekteinflößend ist.
Auf diesem Weg kamen wir bis knapp unter den richtigen Weg und vielleicht 20m unter die Spitze, bis wir nach einer riskanten Kletterpartie (die Steine bröckeln alle sehr leicht: meint man, einen sicheren Griff zu haben, ist das in der Hälfte der Fälle falsch: belastet man diese Stelle am Fels, hat men einen Teil davon in der Hand) aufgaben, kehrten wir um und gingen die steilen Hänge zurück, Richtung Weg.
In der Zwischenzeit war auch eine andere Gruppe den Weg von der Austrian Hut zur Spitze gegangen und so konnte wir -- als wir wieder auf dem Weg waren -- deren Fußspuren folgen. So kamen wir erst um kurz vor neun -- also nach fast vier Stunden statt einer -- auf dem Gipfel an.
Wir blieben eine dreiviertel Stunde und genossen die Aussicht: von hier konnte man nicht nur viele malerische Täler des Mount Kenya bewundern, man konnte sogar den Kilimanjaro über den Wolken herausragend sehen.
Im Reiseführer wurde davon abgeraten, dem (wie sich später herausstellte richtigen) Weg auf dem Kamm zu folgen. Ihm zu Folge muss man links davon am Gletscher entlang gehen, was inzwischen (wie erwähnt) ziemlich gefährlich ist... (aus: [1])

Batian im Sonnenaufgang, vom (Irr-)Weg zu Point Lenana aus gesehen

Auf Irrwegen

Der Umweg, vom richtigen Weg aus gesehen: bis zwischen die beiden "Höcker" konnten wir gehen, dann wurde es uns zu gefährlich und wir kehrten um...

Kilimanjaro (Bildkontrast nachträglich erhöht)

Blick zur Austrian Hut (der rote Punkt etwas links von der Mitte des Bildes); durch das Tal rechts führt die Naro-Moru-Route

Blick von Point Lenana; auf dem zweiten Bild ist eine Klippe zu sehen (der so genannte "Tempel"), auf dem einige Seen liegen. In deren Nähe lag das Camp für die kommende Nacht

Nochmals der Blick vom Camp auf Point Lenana (nach dem Abstieg). Unser Irrweg führte oberhalb vom Gletscher zwischen die beiden Höcker...

Nach dem Abstieg holten wir das Frühstück nach und brachen zur Chogoria-Route auf.

Die Landschaft änderte sich wieder schnell: während wir zu Beginn nur auf steinigem und staubigem Untergrund liefen, wurde es zunehmend grüner.

Kurz vor fünf fanden wir nahe von Mito's Hut einen geeigneten Campingplatz mit einem kleinen Tümpel, der auf einer kleinen Ebene an einem kleinen Krater lag. Dort bereiteten wir am Kochfeuer (der Kocher war ja ausgefallen) die (Hefe-)Chapati zu und aßen zu Abend (das Mittagessen an diesem Tag fiel also aus).
Das Camp im Nebel. Im Hintergrund erkennt man Teile des Felsmassivs

Am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang. Beim zweiten Bild sieht man rechts Batian und weiter links -- zu erkennen an den markanten und mehrmals erwähnten kleinen Höckern ganz rechts -- Point Lenana.

Tag 8

Der Wecker klingelte um 6:00, nach dem gemütlichen Frühstück ging es erst kurz nach halb zehn los. Das Ziel für diesen Tag war das Parkgate, zu dem der Weg mit etwa 6 Stunden angegeben war.
Der Weg verlief auf einem Hügelrücken, deutlich abwärts führend. Auch die Vegetation änderte sich abermals: es gab schon etwas größere Büsche, in dieser Gegend hatte jedoch (etwa zwei Wochen zuvor) ein ausgedehntes Feuer der Landschaft ein anderes Gesicht verpasst: obwohl es stellenweise schon wieder grün war, dominierten abgebrannte Büsche und kleine Bäume das Landschaftsbild; man roch auch noch das Feuer.

Um etwa 12:00 erreichten wir die (nur für allradgetriebene Fahrzeuge zugelassene) Straße. Am nahen Fluss bei den Wasserfällen machten wir eine sehr ausgedehnte Mittagspause, bei der auch erfolgreich mit Hefe-Chapati als Köder geangelt wurde. Ironischerweise gab Lino (er ist Vegetarier, der auch kein Fisch isst) den Anglern (Robert und Malte) hilfreiche Tipps beim Erlegen und Ausnehmen der Fische...
Kurz vor der Mittagspause: eine weitere Flussüberquerung (das Bild ist von der Brücke aus aufgenommen(!))

Auf dem Weg zum Wasserfall und der Wasserfall selbst. Auf dem ersten Bild erkennt man die verkohlten Büsche.

Robert beim Ausnehmen eines Fisches

Erst um kurz nach halb vier ging es weiter, nun immer der Straße folgend. Schon nach Kurzem sahen wir eine kleine Schlange sich über die Straße schlängeln. Das war wohl eine Waldkobra, die selbst Führer, die jahrelang auf dem Berg unterwegs sind, nur sehr selten sehen.
Es wurde zunehmend grüner, ab und zu gab es kurze Waldstrecken. Auf der Straße sahen wir wieder viele Tierspuren: neben Elefanten wimmelte es hier offenbar von Katzen (oder zumindest deren Spuren) und wir fingen wieder an, etwas mehr Geräusche zu machen, um diese Tiere zu verjagen.

Wir wussten nicht genau, wo sich das Parkgate befindet und rechneten noch mit einem großen Stück, als wir kurz nach fünf schon überrachend dort ankamen. Wir schlugen unser Zelt auf und machten wie üblich unser Kochfeuer (diesmal an einer dafür vorgesehenen, überdachten Stelle).
Unser Campingplatz am Gate

Hier trafen wir auch Daniel, einen Guide, der eine allein reisende Kanadierin führte und uns vom Point Lenana aus auf unseren Abwegen gesehen hatte (deren Spuren im Schnee waren wir ja auch gefolgt, um schließlich doch noch oben anzukommen). Er bot uns an, uns für 500 Shilling pro Person am nächsten Tag mitzunehmen.
Der ursprüngliche Plan, bis Chogoria zu gehen (was etwas über 30 km wären und daher wohl noch eine Übernachtung erfordert hätte) fand auch immer weniger Zustimmung und da dieser letzte Teil sowieso nicht besonders interessant werden würde (wir würden nur auf der Straße durch wenig abwechslungsreiche Landschaft gehen), beschlossen wir, dieses Angebot anzunehmen und so die Tour etwas abzukürzen.

Auf dem Weg war das Wetter gut, als wir beim Gate waren (das übrigens auf 2950m liegt) regnete es immer wieder, teils auch recht heftig. In der Nacht war es spürbar wärmer als die Nächte zuvor.

Tag 9

Kurz nach 6 standen wir auf und packten in aller Ruhe zusammen. Keine 50m vom Zelt entfernt entdeckten wir Spuren eines Leoparden, die wohl vergangene Nacht entstanden sein mussten. Dieses Tier, das man sonst (selbst in Naionalparks) so selten zu Gesicht bekommt, war also so nah an unserem Zelt vorbeigelaufen...
Das Fahrzeug, das auf 8:00 Uhr angekündigt war, fuhr schließlich um kurz nach halb neun ab und kam kurz nach 10 in Chogoria an. Die Fahrt hat sich gelohnt: nicht nur, weil wir dadurch viel Zeit und Anstrengung einsparten, sondern auch, weil sie ein eigenes Erlebnis darstellte: in einem uralten Landrover auf der in der Nacht nass gewordenen Straße zu fahren, wo wir immer wieder etwas schlingerten, (nur einmal) stecken blieben und auch mal deutliche Schräglagen einnahmen --- das hatte schon etwas Besonderes.
Blick vom Zeltplatz (also vom Gate) Richtung Berg

Unser Fahrzeug nach Chogoria

In Chogoria aßen wir in einem kleinen, gemütlichen Restaurant Frühstück, bevor wir im matatu nach Nairobi zurück fuhren, was einige Stunden in Anspruch nahm.
Nach der (inzwischen lang ersehnten) Dusche und etwas Ruhe trafen wir uns abends nochmals bei Lino, wo Ulrike ein sehr gutes Abendessen für uns vorbereitet hatte.
Die Karte zu unserer Route, mit der Nummer des jeweiligen Tages, an dem wir diesen Abschnitt zurückgelegt haben. Wo wir übernachtet haben, ist dies mit einem Querstrich markiert.
Die Route des ersten Tages und der Ort des ersten und dritten Camps sind nicht genau bekannt. Am zweiten Tag ist gestrichelt der Abstecher zum Parkgate eingezeichnet, den nur Lino und Robert zurückgelegt haben. Am siebten Tag haben wir erst den kleinen "Abstecher" (nach "links oben") zu Point Lenana genommen, bevor es östlich zum Abstieg auf der Chogoria-Route ging; für Tag 9 ist der Weg des Fahrzeugs nach Chogoria gestrichelt eingezeichnet.
Zum Maßstab: der Start- und Endpunkt des eingezeichneten Weges liegen (Luftlinie) etwa 64km auseinander.
Quelle: [2]


Zitierte Literatur: