November
ab Dienstag (01.11.)
Am Dienstag waren wir mit Eliud, einem Mathematik-Studenten im 4. Semester, der offenbar unsere
Vorgänger des Austauschprogramms kannte, im Nairobi Safari Walk, einem Art Zoo direkt am Nairobi National Park.
Da nicht viel los war hatten wir zu viert einen eigenen Führer, den wir zwei Wochen zuvor bei der
Vogelbeobachtung schon einmal getroffen hatten.
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Einige Tierbilder...
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Ein Teil der Wege ist etliche Meter über dem Boden gebaut. So hat man einen guten Ausblick.
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Sieht fast aus wie eine große Hauskatze... die man in diesem Fall tatsächlich auch mal streicheln kann... (v.l.: Malte, Eliud, ein Teirpfleger)
Am Mittwoch Abend sind wir mit dem Zug nach Mombasa aufgebrochen. Der Zug fuhr mit etwas Verspätung kurz vor 8 Uhr abends ab und kam
am nächsten Morgen kurz vor 11 Uhr in Mombasa an (die Fahrtstrecke beträgt etwa 550km). In der zweiten Klasse (von drei), die wir belegten,
ist man in einem Vierer-Abteil mit vier Betten und einem Waschbecken untergebracht.
Es wird ein mehrere Gänge umfassendes Abendessen und um 6:30 Uhr ein
Frühstück serviert. Das (Silber-)Besteck und Geschirr, das wir dabei bekamen, erinnerte -- wie die Ausstattung
des Esswagens aber auch des restlichen Zuges -- an 60er- oder 70er-Jahre-Design und würde bei uns vermutlich schon im Eisenbahnmuseum
ausgestellt werden.
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Unser Zugabteil: hinten ein Fenster mit Moskitonetz, links die zwei Betten (davon das obere mit einem einspannbaren Fallschutz),
rechts sieht man noch einen Teil des Wachbeckens
Die Fahrt verlief erst einmal im Dunkeln, so dass von der Landschaft außerhalb zunächst nicht sehr viel sah. Am Donnerstag Morgen
jedoch konnte man auf der restlichen Fahrt die weiten unbewohnten Gebiete sehen, die teilweise auch Nationalparkgebiet sind. Wenn man
einmal durch bewohntes Gebiet (also Dörfer) fährt, wird man von winkenden Kindern begrüßt.
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Rennende, grüßende Kinder
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Eine kleine Viehherde
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Bäume und typische (Lehm-)Behausung
In Mombasa angekommen machten wir uns gleich auf die Suche nach einer Unterkunft, was mit Hilfe des Reiseführers und ein wenig Durchfragen
zum Glück schnell erledigt war. Am frühen Nachmittag schauten wir uns ein wenig die Stadt an, vor allem das Gebiet um die Altstadt mit dem alten
Hafen. Was dabei sofort auffällt, ist die deutlich stärkere arabische Prägung als in Nairobi. Während es auch in Nairobi durchaus einige Moscheen
gibt und man auch ab und zu Menschen offensichtlich muslimischen Glaubens und manchmal auch eine verhüllte Frau sieht, war dies in Mombasa
noch deutlich auffälliger.
In den vielen verwinkelten kleinen Gassen nahe des alten Hafens kann man am besten meinen Eindruck von Mombasa beschreiben: Es ist eine Stadt,
die schön sein könnte, es aber nicht ist: in den erwähnten Gassen sieht man nämlich einerseits alte Gebäude, die sicherlich
einmal schön gewesen sind, andererseits erlebt man an der ein oder anderen Stelle auch die Atmosphäre einer fast schon orientalischen
Handelsstadt. Andererseits werden viele der kleinen Straßen als Müllhalden missbraucht und um die Fassaden der Häuser hat sich vermutlich Jahrzehnte
niemand mehr gekümmert.
Am Donnerstag Nachmittag waren wir noch bei der Haupt-Touristen-Attraktion von Mombasa: Fort Jesus, das Ende des 16. Jh. von der
Portugiesen dort errichtet wurde und in den nachfolgenden Jahrhunderten heftig umkämpft war. Das Fort ist inzwischen ein Museum, zu dem man
je nach Status (Kenianer/Nicht-Kenianer, unter 16/über 16) zwischen 20 und 200 KSh Eintritt bezahlt. Am Eingang wurden wir sofort von einem
Führer empfangen, der uns das ganze Fort zeigte. Ich fand die Führung (wie das gesamte Museum) nur mäßig interessant. Allerdings war
ich von der Fahrt noch so müde, dass ich teilweise nicht recht folgen konnte. Wie sich später herausstellte, arbeitete der Führer weitgehend
unabhängig vom Museum (er musste lediglich Lizenzgebühren an das Museum abführen) und erwartete eine eigene Bezahlung,
die unserer Ansicht nach etwas übertrieben war...
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Blick von einem Eckturm in das Fort "Fort Jesus" und auf einen Vorplatz Richtung Stadt
Am Freitag Morgen schauten wir uns nochmal die Altstadt und den alten Hafen an. Nachmittags brachen wir dann zum Tiwi-Beach auf. Da Mombasa
selbst eine Insel ist, es jedoch kaum Brücken gibt, muss man dazu zunächst mir einer Fähre übersetzen, bevor man mit einem matatu
in ca. 30 Minuten in Tiwi angekommen ist. Von der Straße, auf der wir aus Mombasa gekommen sind,
führt eine kleine Straße ca. 2km zum Strand. Da es nicht allzuheiß und schon später war, beschlossen wir, zu Fuß zu gehen anstatt ein
Taxi zu nehmen und kamen nach einer guten halben Stunde an den Schildern, die die restlichen Meter zu verschiedenen Hotels wiesen, an.
Wir entschieden uns für die Twiga-Lodge, die für den Preis (über 700KSh pro Person und Nacht) fast etwas zu spartanisch ausgestattet ist, aber
die meisten anderen Hotels sind deutlich teurer und wir erwartetetn ohnehin nicht viel Luxus. Im Restaurant
trafen wir auch eine schwedische Ärztin wieder, die hier einige Monate in einem Krankenhaus arbeitete und die wir beim Frühstück im Zug
nach Mombasa kennengelernt hatten.
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Alter Hafen; Moschee und eine typische Baustelle (mit Ästen als Stützen), vom alten Hafen aus gesehen
Tiwi ist ein Strandabschnitt -- im Gegensatz zu Diani etwa -- an dem vergleichsweise wenige Touristen (oder überhaupt Leute) zu finden sind
(vielleicht 10 pro 100 Strandmeter, wenn nicht sogar weniger). Wie an den meisten anderen Stränden der Welt gibt es aber trotzdem Strandverkäufer,
die von Kokosnüssen über maßgeschneiderte Kleidung, Massagen und "good stuff" so gut wie alles verkaufen.
Ist Ebbe am indischen Ozean (als wir dort waren war dies immer vormittags der Fall),
so konnte man zu Fuß auf die ca. 200m vorgelagerten Korallenriffe gehen oder im flacheren Wasser, wo es immer wieder whirpoolförmige
tiefere Bereiche gab (also über 40 cm Wassertiefe), sich in die Sonne legen (was man angesichts der geografischen Lage aber nicht zu lange
machen sollte...).
Das Hotel verfügte auch über überdachte Aufenthaltsbereiche, so dass wir die Mittagshitze oft lesend dort verbrachten.
Am Samstag Morgen versuchten wir, uns den Sonnenaufgang über dem indischen Ozean kurz nach halb sechs anzuschauen, aber leider
war es so bewölkt, dass wir nicht viel davon hatten...
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Sonnenaufgang hinter Wolken (vorn ist ein Teil des Tisches zu erkennen, den ich als Stativ für dieses 30 Sekunden lang belichtete
Bild verwendet habe)
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Unsere Unterkunft (bzw. einige Gebäude der Anlage; unsere Zimmer waren etwas weiter hinten...)
Am Vormittag gingen wir in die nächste kleinere Stadt mit Geldautomat, denn so langsam ging uns das Geld aus. Nach einer guten Stunde zu
Fuß und noch ein paar Minuten matatu hatten wir den Geldautomaten erreicht, der aber -- wie sich nach Gesprächen mit aufgebrachten
Touristen herausstellte -- offenbar kein Geld lieferte. Zum Glück stellte sich heraus, dass wir (zumindest bei geeigneter Haushaltsplanung)
bis zur Rückkehr am Sonntag Nachmittag noch genug Geld hatten.
Abends aßen wir in einem Restaurant, das etwa 800m südlich von unserer Unterkunft in wunderschöner Lage auf einem Felsen liegt.
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Der Fels direkt am Wasser, auf dem das Restaurant gelegen ist
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Blick aus dem Restaurant Richtung Meer
Am Abend setzten wir uns mit einigen anderen Hotelbewohnern noch ans Lagerfeuer am Campingplatz der Twiga-Lodge. Zufälligerweise waren fast alles Deutsche, so z.B. eine Gruppe von Studenten aus Deutschland, die im Rahmen ihres Studiums für ein Praxissemester nach Kenia gekommen sind und sich über die Austauschorganisation kennengelernt hatten und hier Kurzurlaub machten, oder ein junges Paar, das sich für eineinhalb Jahre auf Weltreise gemacht hat: nachdem sie einmal quer durch Afrika gereist sind, wollten sie für einige Monate nach Australien und über verschiedene Zwischenstationen wirder zurück nach Deutschland. Oder die zwei Abiturientinnen, die hier bei der deutschen Hilfsorganisation Asante e.V. helfen.
Am Sonntag Morgen frühstückten wir nochmals in dem Restaurant auf dem Felsen. Nach dem Essen erzählte uns sein knapp 60 Jahre alter Besitzer seine Lebensgeschichte und wie er das Restaurant nach langem Streit über das Grundstück mit einem Mitglied einer regierungsnahen Familie und kurzzeitigem Exil in Tansania letztes Jahr eröffnet hat; in einem Jahr werden nach seiner Planung dort neben dem Restaurant auch einige Hütten stehen, die man günstig mieten kann.
Am Sonntag nachmittag fuhren wir zurück nach Mombasa und nahmen von dort einen Bus nach Nairobi.
Am Montag kamen wir etwa um 6 Uhr in Nairobi an, legten uns erst einmal für ein paar Stunden schlafen und versuchten dann, uns an der Universität einzuschreiben (schließlich war offziell ja schon die zweite Vorlesungswoche), allerdings recht erfolgslos. Die Tage darauf besuchten wir die Vorlesungen, für die wir uns entschieden hatten.
Die Standardvorlesung scheint hier so auszusehen, dass der Dozent sein Skript abwechselnd an die Tafel schreibt oder diktiert. Zum Teil sind diese etwas chaotisch und didaktisch nicht besonders gut, aber der erste Eindruck ist insgesamt besser, als ich nach den Berichte eines Vorgängers (die in meinem Zimmer liegen) befürchtete. Was die Vorlesungen fachlich bieten, bleibt abzuwarten, da einerseits die ersten Stunden einer Vorlesung selten für den Rest repräsentativ sind und andererseits der Dozent für Atomphysik und Quantenmechanik II krank war und diese Vorlesungen daher bisher nicht stattgefunden haben.
Um in Deutschland nicht den Anschluss zu verlieren, haben Robert und ich beschlossen, die Blätter der Quantenmechanik und (wenn fachlich/zeitlich machbar) die der statistischen Physik der TU Berlin zu rechnen.
ab Freitag (11.11.)
Am Freitag hatten wir wegen der Krankheit eines Dozenten keine Vorlesung. Abends gingen
wir zuerst zum Konzert von Barbara Guantai, einer Musikerin,
die am 4. Dezember in Durban (Südafrika) bei den "KORA-Awards" für
den Titel der besten weiblichen Musikerin Ostafrikas antreten würde
und an diesem Abend im Haus der alliance française spielte und durch eine sehr vielseitige Stimme
überraschte.
Das Publikum war zu einem großen Teil
aus Europa, neben Franzosen waren vor allem auch Deutsche vertreten.
Auf der Feier trafen wir auch einige Freunde unserer Vorgänger, die uns von dem Plan einer günstigen Mount-Kenya-Tour Mitte Dezember
erzählten, an der wir vermutlich teilnehmen werden.
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Barbara
Nach dem Konzert gingen wir zu der Geburtstagsfeier von Amr, der am Sonntag Geburtstag hatte, die Feier aber etwas vorzog. Das Essen war hervorragend (was sehr gut war, da durch den Besuch des Konzerts mein Abendessen ausfiel). Die Wohnung, in der gefeiert wurde, war fast wieder eine Welt für sich: man spürte gar nicht, dass man in Afrika war, denn die meisten Gäste arbeiteten bei der UN und kamen aus Europa; wir Deutsche (Hanna, Ela und die vier Physiker) waren ja schon zu sechst und damit schon recht gut vertreten.
Am Samstag waren wir morgens in der River Road, einem der Gebiete im östlichen Teil der Innenstadt, an dem man das Gefühl hat, ein
sehr viel authentischeres Kenia zu erleben als in der vergleichsweise sauberen und teuren Innenstadt: man findet überall sehr
kleine Läden, die sich meist auf ein Gebiet spezialisiert haben, z.B. Handys, Stoffe, Werkzeuge, Elektrik, Fahrräder, ... Viele Läden nehmen
dabei nur wenige Quadratmeter in Anspruch und da fast immer viel los ist, wird es schnell auch ziemlich eng. Malte und Robert
besorgten dort günstig ein paar Dinge, bevor wir ziemlich müde nach vier Stunden wieder zu Hause ankamen.
Dort währte die Ruhe nicht lange: da in der Stadt alle Geldautomaten ausgefallen waren (zumindest alle von Barclays), musste ich
mit meinem Bargeld-Vorrat Ela und Atréju aushelfen, die für die an jenem Abend stattfindende Einzugsparty in Elas neuem Haus noch
einkaufen mussten. Die Party selbst war dann auch sehr schön: wieder viele neue Gesichter, viele davon zu deutsch sprechenden Personen (viele
davon Arbeitskollegen von Ela aus der deutschen Botschaft), die Interessantes zu erzählen hatten.
Am Sonntag Abend gingen wir mit einer kleinen Gruppe zusammen äthiopisch essen. Im Restaurant setzt man sich dabei zu viert um einen runden, rekativ tiefen Tisch auf kleine Hocker. Die bestellten Gerichte werden als kleine Häufchen (Gemüse, Fleisch in verschiedenen Soßen, Käse, Kartoffeln,...) auf einem tischgroßen waschlappenartigen, leicht sauren Fladen serviert; eine Zuordnung der Häufchen zu den einzelnen Punkten auf der Karte ist zwar nicht mehr möglich, dafür ist die Auswahl umso größer. Gegessen wird nicht mit Besteck, sondern mit den Fingern. Dazu reißt man sich von einem Fladen (von denen ein Vorrat geliefert wird) ein kleines Stück ab und nimmt damit das auf, was man gerade essen will. Das Essen war insgesamt deutlich schärfer als gewohnt, aber trotzdem sehr gut.
Die folgende Woche war wohl so, wie in den nächsten Monaten unser Alltag ausshene könnte: (fast) jeden Morgen früh zu den Vorlesungen zur Universität, dann etwas im "African Feast" frühstücken und dabei Übungsaufgaben aus Deutschland rechnen. Nach dem Mittagessen zu weiteren Vorlesungen und abends ab und zu weggehen, wie z.B. am Dienstag, als wir bei Atréju und Ela Karten gespielt haben, oder am Donnerstag, als eine Museums-Eröffnung eine hiesigen Künstlers in Zusammenarbeit mit einem Museum aus Frankfurt war, bei dem es neben den üblichen Reden auch sehr gutes Essen gab...
Am Dienstag war auch etwas abweichendes Programm: an diesem Tag waren wir mit Atréju und Prof. Angeyo das DOAS-Instrument besichtigen,
ein Spektrometer, das wegen der guten Stromversorgung und Internetanbindung auf dem Gelände der UNEP in Nairobi steht und desse Daten
Atréju und ich für unsere Projekte verwenden.
Das Gelände der UN ist ziemlich groß; ich schätze, dass einige tausend Mitarbeiter dort arbeiten. Die Sicherheitskontrollen sind ziemlich
strikt und langwierig (man muss sich in jedem Fall vorher anmelden und eine Kontaktperson innerhalb haben), ist man jedoch einmal auf dem
Gelände, erwartet einen eine eigene Stadt mit diversen Restaurants, einem eigenen Supermarkt und vielem mehr; wieder einmal ist
man in einer anderen Welt als der, die man ein paar Straßen weiter außerhalb sehen kann. Nach dem eigentlich Treffen
haben wir die Zeit genutzt, um uns das Gelände und die Bibliothek noch ein wenig anzusehen.
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Auf UN-Gelände
Es war auch die erste Woche, in der die Vorlesungen wohl mehr oder weniger wie üblich ablaufen: inzwischen war ja schon die zweite
Vorlesungswoche -- d.h. die einführenden Bemerkungen waren schon gemacht -- und der Dozent, der in der ersten Vorlesungswoche krank war,
war in jener Woche wieder da. Als erster Eindruck lässt sich festhalten, dass in mathematischer Physik der Dozent in relativ hohem Tempo
ein im Buchstil verfasstes Skript an die Tafel schreibt, das im Großen und Ganzen wohl recht ordentlich, in vielen mathematischen Details
aber in dieser Weise nicht üblich oder gar unvollständig (also falsch) ist. Trotzdem dürfte diese Vorlesung noch zu den Besten gehören.
In statistischer Physik ist es ähnlich. Erschwerend kommt hinzu, dass der Dozent Teile seines Skripts in relativ hohem Tempo
abwechselnd anschreibt und diktiert, was einen vollständigen Mitschrieb nur dann möglich macht, wenn man auf das Mit-Denken weitgehend
verzichtet.
Was das Mitschrieben angeht, ist Quantenmechanik / Atomphysik (das vom gleichen Dozenten gelesen wird und bisher nicht
auseinandergehalten werden kann) deutlich einfacher, allerdings ist dafür (zumindest bis jetzt) auch das Tempo deutlich geringer, nicht zuletzt,
weil viele Aufgaben vorgerechnet werden (oder während der Stunde gerechnet werden sollen), die in Deutschland (berechtigterweise) lediglich auf
einem Übungsblatt landen würden. Der wenige Tafelanschrieb ist von vielen Fehlern durchsetzt, oft sind es auch die mündlichen Ausführungen,
wobei erschwerend hinzukommt, dass das mit einem starken Akzent behaftete Englisch des Dozenten für mich relativ schwer zu verstehen ist.
Didaktisch am wenigsten ausgearbeitet ist Computer Simulation. Dort begnügt sich der Dozent damit, am Anfang der Stunde
Aufgaben zu stellen und ein oder zwei kleine Hinweise zur Lösung zu geben; die Aufgaben soll man dann im Laufe der Stunde am Rechner
selbst lösen, wobei der Dozent von Rechner zu Rechner geht und auf Fragen antwortet.
Da viele nicht programmieren können, ist diese Methode denkbar schlecht geeignet; auch ist der Dozent bei vielen (auch sehr elementaren)
Fragen offenbar völlig überfordert und die Hilfe zum Entwicklungssystem (die diese im Handumdrehen beantworten könnte)
ist meistens auch nicht installiert.
ab Freitag (18.11.)
Dieses Wochenende war ungewöhnlich lange, da in Kenia per Volksabstimmung über eine neue Verfassung abgestimmt wurde. Da man nur dort wählen kann, wo man registriert ist und die meisten Kenianer in ihrer Heimatstadt regisriert sind, war jenes Wochenende für viele auch eine Zeit der Heimreise. Die eigentliche Abstimmung war am Montag, am Dienstag war -- vermutlich um Unruhen vorzubeugen -- auch ein Feiertag. Geplant hatten wir nicht viel, da es auch unsicher war, ob es zu Unruhen kommt und in diesem Fall wären wir in unserer Unterkunft in Chiromo wohl am sichersten gewesen und wären wohl nicht in die Innenstadt gegangen. Glücklicherweise gab es keine uns betreffende Zwischenfälle, so dass wir auch an jenem Wochenende viel unternahmen.
Am Freitag Abend gingen wir mit Maike, einer deutschen Studentin, die bei der UN ein Praktikum macht, und einigen Kommilitonen kenianisch Essen. Wir fuhren etwas nach außerhalb und aßen nyama choma ("gegrilltes Fleisch"), bei dem man die Rippen des Tiers selbst abnagen muss, dazu ugali (ziemlich geschmackloser Maisbrei) und eine Art Salat aus Zwiebel- und Tomatenstückchen. Gegessen wird mit den Händen (die man ohnehin braucht, um die Knochen abzunagen); um vom Salat zu essen, nimmt man etwas ugali, formt den Brei zu einer flachen Scheibe und nimmt damit etwas vom Salat auf. So bleiben die Finger zumindest etwas sauberer.
Am Sonntag waren wir mit Amr, Maike und Hanna im "Paradise Lost", einem Erholungspark mit Picknick-Möglichkeiten, einer alten
Höhle direkt hinter einem Wasserfall, einem See mit Bootfahrgelegenheit und vielem mehr.
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Von der Hauptstraße, auf der das matatu hält, sind es noch etwa 2 Kilometer zu Fuß...
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Robert und ich fahren das Boot zu unserem Picknick-Platz
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Der Zugang zum Teil hinter dem Wasserfall und der Höhle; von der gleich Stelle in der anderen Richtung sieht man den
Wasserfall und hinten rechts den Eingang zur Höhle
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In der Höhle
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Blick auf den See bei Rückweg; dort sind uns auch noch einige Pferde begegnet, da Reiten als eine
Freizeitaktivität angeboten wird
Abends waren wir wieder einmal bei Rotich, den wir seit unserem ersten Treffen etwa vier Wochen zuvor nicht mehr gesehen hatten.
Wir aßen bei ihm chapati und eine Art Eintopf aus Kartoffeln und Fleisch zu Abend. Er lud uns ein, die nächsten beiden Tage
etwas zu unternehmen, was wir dankbar annahmen.
Nachdem ich Montag morgens mit Sarah, Robert und Hadji (einem Verwandten von Rotich) im nahegelegenen YMCA schwimmen war, fuhren wir mittags
in einem neunsitzigen Safari-Bus, den Rotich von einem Freund gemietet hatte, mit Hanna, Hadji und Rotichs Frau Nancy und ihrem
Kind Gerald zum "Giraffe Orphanage" nahe dem Nairobi National Park und danach im "Nairobi Animal Orphanage", wo alle möglichen Arten von Tieren
untergebracht sind.
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Das Giraffenzentrum; Besucher dürfen die Giraffen füttern.
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Auch zu diesen Wildkatzen darf man ins Gehege (bei allen anderen Tieren kann man auf Fotos verzichten, da man außer
Zaun nicht viel sieht)
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Gerald, der 3-jährige Sohn von Rotich
Am Dienstag waren wir wieder bei Rotich; inzwischen werden wir jedesmal von Gerald stürmisch begrüßt, der -- im Gegensatz zu vielen anderen
Kindern -- sehr zutrauklich ist und vor Weißen keinerlei Angst zu haben scheint.
Rotich zeigte uns seine Arbeitsstelle (ein Second-Hand-Laden mit Waren aus Europa und den USA) und
nach einem leckeren Mittagessen führte uns Rotich auf den angeblich größten Markt Ostafrikas,
um Schuhe für unserer Mount-Kenya-Tour zu kaufen. Der Markt
war tatsächlich unheimlich groß, wir konnten nur einen kleinen Teil überhaupt davon ablaufen und waren trotzdem danach ziemlich erschöpft.
Der Markt bestand aus vielen kleinen schmutzigen Ständen, die Straßen waren waren sehr schlammig, da es erst kurz zuvor geregnet hatte.
Am Nairobi River, der dieses Gebiet durchzieht, häufen sich etliche Meter breite und zum Teil ein Meter hohe Berge aus Abfall. Als Weißer
fällt man hier ziemlich auf, daher war es mir sehr recht, Rotich und Hadji als Führer dabeizuhaben.
Auf dem Rückweg zum Haus von Rotich haben wir noch andere Stadtviertel durchquert; oft hört man schon in einiger Ferne Kinder
"mzungu" rufen, manchmal auch "starring" (denn viele kennen Weiße nur vom Fernsehen, und dort im Vorspann ja "starring") und
einen mit einem fast endlos wiederholten "how are you?" begrüßen; machmal, um direkt danach nach Süßigkeiten zu fragen.
Am Mittwoch war wieder Alltag: Vorlesungen an der Universität, Übungsblätter rechnen und übliche organisatorische Kleinigkeiten, etwa die Wäsche (die wir in den ersten Wochen noch selbst gewachen haben) zum Wäscheservice bringen, wo man einen großen, prall gefüllten Eimer für 150 KSh waschen lassen und am nächsten Tag trocken wieder abholen kann.
Am Donnerstag Abend war ein Cocktail-Empfang des DAAD im Goethe-Institut, auf dem vom deutschen Botschafter Urkunden an neue Ostafrika-Stipendiaten vergeben wurden. Da wir die Empfangsdame kannten (Hanna), war es kein Problem, auch ohne Einladung Zutritt zu erhalten. Nach (und teilweise auch schon vor) den üblichen Reden aller wesentlichen Beteiligten konnte man sich etwas von den reichhaltigen Snacks genehmigen und das ein oder andere Kaltgetränk zu sich nehmen. Dabei machten wir über einige Ecken auch Bekanntschaft mit einem Dozent am Department of Physics, der uns bei unserem Problem mit den Studentenausweisen und dem pupil's pass (eine erweiterte Aufenthaltsgenehmigung für Kenia; das Touristenvisum gilt nur für die ersten drei Monate) helfen wollte.
Diesen trafen wir also am nächsten morgen und er klapperte mit uns in den folgenden eineinhalb Stunden alle zuständigen Büros
ab und zögerte nicht, die Sekretärin aufzufordern, ihren Chef beim meeting zu unterbrechen, um die notwendigen Unterlagen sofort
zu unterschreiben, damit wir nicht wieder bis zum nächsten Werktag warten müssen.
Auf diesem Weg erreichten wir fast alles, was wir brauchten (was wir in den ersten drei Wochen vergeblich --
und im Rückblick vielleicht auch mit etwas zu wenig Beständigkeit -- versuchten zu bekommen): die Unterlagen für den
pupil's pass für das Einwanderungsbüro in der Stadt ("immigration office") und die meisten Unterlagen für die Einschreibung
und den Studentenausweis, was wir am folgenden Montag vollends erledigen konnten.
Fast ein wenig enttäuschend war dann die Aussage im immigration office, dass die Ausstellung des pupil's pass' zwei
Monate bräuchte...
Am Freitag war auch ein Kongress auf dem Gelände der Universität für Dozenten und Studenten über Forschung in Afrika (wobei z.B. "brain drain" -- also die Abwanderung von Akademikern -- eines der Themen war). Der DAAD hatte einen Informationsstand mit kostenlosen Informationsmaterialien aufgebaut und da wir Hanna die Betreuung nicht ganz alleine überlassen wollten und Atréju und ich am Abend zuvor beim Cocktailabend als DAAD-Stipendiaten quasi dazu aufgefordert wurden, dort eine repräsentative Rolle zu übernehmen, verbrachten wir einen Teil des Vormittags bei eben jenem Stand und lernten durch die uns überfordernden Fragen (deren Antwort wir schnell über Hanna oder eines der ausliegenden Büchlein nachschlugen) das Eine oder Andere über die formalen Voraussetzungen und Regelungen über das Studium in Deutschland als Ausländer.
ab Samstag (26.11.)
Für jenes Wochenende hatten wir (also die vier Physikstudenten, Ela, Hanna, Amr, Maike, Julie)
eine Safari zum Nakuru National Park geplant, die am Samstag morgen um 6:00 begann.
Wir hatten uns einen 9sitzigen Safari-Bus (also Sitze für 9 Passagiere und den Fahrer)
inklusive Fahrer gemietet, dem für das Wochenende insgesamt KSh 11.000 bezahlten.
Wir fuhren direkt nach Nakuru und besorgten uns eine Unterkunft, danach ging es weiter zum Nationalpark. Da wir alle einen
unterschiedlichen Status für den Eintritt hatten ("residents" bezahlen deutlich weniger als
"non-residents", aber mehr als "citizens")
und unterschiedlicher Meinung waren, wie die mitgebrachten Dokumente zu bewerten seien (so hatten wir -- also die Studenten
an der UoN zwar noch keine Studentenausweise, die zum "resident"-Tarif berechtigt hätten, allerdings ein Schreiben, das
bestätigte, dass wir Studenten waren), hat es mit den anschließenden Kontrollen
fast eine dreiviertel Stunde gedauert, bis wir im Park waren.
Im Park war eines unserer ersten Ziele der See, an dem tausende von Flamingos im flachen Wasser standen.
Aber auch andere Tiere wie beidspielsweise Zebras oder Büffel waren schon zu sehen.
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Nach dem Essen kurz vor der Mittagszeit etliche Meter über dem See auf einem Fels,
das aus mitgebrachten Dingen (vor allem Brot mit verschiedenen Belägen) bestand,
ging es weiter durch den Park.
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(rechts unten): von dem Picknickplatz hat man einen schönen Blick über den See.
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Am Abend versuchten wir noch ein wenig, Hannas Geburtstag zu feiern, allerdings waren wir schon ziemlich erschöpft, so dass von diesem Projekt außer einem guten Essen und ein wenig Martini-Trinken auf dem Hoteldach (von dem man übrigens einen schönen Rundblick hat) leider nicht viel blieb.
Am Sonntag beschlossen wir, an den Lake elementaita zu fahren, einem See mit ebenfalls vielen Flamingos. Dieser
Bereich war kein Nationalpark, aber ein "community project", das dort wohnhaften Leuten helfen will, und daher Eintritt
verlangt.
Nach einem langen Spaziergang am See, bei dem wir von vielen Kindern, die uns alle möglichen Dinge verkaufen oder bei uns
eintauschen wollten, begleitet wurden, gingen wir zu den nahe gelegenen heißen Quellen, wo man in ca. 45°C heißem Wasser baden kann
und auf dem Nachbarsee auch einige Störche zu sehen waren.
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Überallhin wurden wir von Kindern begleitet, die uns Flamingo-Federn verkaufen (oder eintauschen) wollten.
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Noch einige Vögel. Zum Ausspannen noch die Füße ins heiße Wasser... (Julie, Maike und Atreju).
Da wir noch ein wenig Zeit hatten, sahen wir uns nach nahe gelegenen Bergen um und fanden schließlich tatsächlich einen
zugänglichen kleinen Vulkankrater, den wir auch gleich bestiegen.
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"Da müssen wir rauf!"
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Auf dem Sattelpunkt (siehe voriges Bild) hat man einen schönen Blick auf den See...
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Hanna, sich nach Robert umsehend.
Die Safari war insgesamt sehr schön, auch wenn wir (alle) stellenweise ziemlich müde und erschöpft waren. Letztlich ist das frühe Aufstehen und ständige Herumsitzen im Safari-Bus doch anstrengender, als man zunächst vermutet.
Am Montag versuchten wir, in dem zuständigen Büro auf dem Hauptcampus die Sache mit den Studentenausweisen
vollends zu erledigen. Während die anderen dort warteten, war ich beim Chef des "Nuclear Science Department", da
diese ein NOx-Messgerät besitzen und die von ihnen durchgeführten Messungen vielleicht für mein Projekt (bei dem
ich Daten eines Spektrometers auswerte, das höhenaufgelöst die Konzentration von NOx misst) verwenden könnte oder dass
umgekehrt die Daten der DOAS-Station für deren Zwecke interessant sein könnten. Leider schien Letzteres nicht der
Fall zu sein, allerdings habe ich neben dem Chef nur mit einer weiteren Person dort gesprochen...
Abends trafen Atréju und ich noch Joannes Berques, ein UNESCO-Mitarbeiter aus Paris, den Jürgen Theiss
(der Initiator des Austausches, der weiter als Hauptantrieb desselben gelten kann und im Augenblick als freier
Wissenschaftler in den USA meteorologische Forschungen betreibt) bei seiner
Arbeit in der UN kennen gelernt hat und schon sehr viel mit DOAS gearbeitet hat.
Am nächsten Morgen besuchten Atréju und ich zusammen mit Joannes Dr. Mulati, den Betreuer der Projektarbeit von Atréju an der JKUAT, etwas außerhalb von Nairobi. Dr. Mulati sprach während des Treffens vor allem auch über die Schwierigkeiten der Universitäten in Kenia, Kontakte zur Industrie zu gewinnen und somit längerfristig praxisnahe Forschungen realisieren zu können.